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Der Cyberangriff auf das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis hat offenbar ein größeres Ausmaß als zunächst angenommen. Hacker erbeuteten nicht nur Kundendaten, sondern auch sensible Anmeldedaten und aktive Zugriffstoken.
Von dem Datenleck sind sämtliche Nutzer der Plattform betroffen. Chainalysis hat vorsorglich mehrere wichtige Dienste abgeschaltet.
Chainalysis meldete am 30. Oktober erstmals, dass Hacker Zugriff auf Kundendaten erlangt hatten. Dazu zählten Namen, E-Mail-Adressen und Nutzernummern.
Das Unternehmen betonte damals, es gebe keine Hinweise auf einen Diebstahl von Passwörtern oder aktiven Zugriffstoken.
Am Mittwoch, dem 4. November, veröffentlichte Chainalysis jedoch neue, besorgniserregende Erkenntnisse. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Angreifer auch Benutzernamen, verschlüsselte Passwortdaten und aktive Zugriffstoken sämtlicher Nutzer erbeutet hatten.
Vor allem die gestohlenen Zugriffstoken stellen ein Risiko dar. Sie ermöglichen es Systemen, Nutzer zu erkennen, ohne dass diese sich jedes Mal neu anmelden müssen. Können Hacker die Token missbrauchen, erhalten sie möglicherweise Zugang zu den Konten.
Darüber hinaus entdeckte das Unternehmen einen separaten Angriff, bei dem die Kommunikation zwischen Nutzern und der Plattform abgefangen wurde. Dadurch gelangten auch die Passwörter einiger Kunden in die Hände der Angreifer.
Chainalysis hat die genutzte Angriffsmethode inzwischen unterbunden. In welchem Umfang die gestohlenen Daten tatsächlich missbraucht wurden, ist noch unklar.
Der Angriff hat erhebliche Auswirkungen auf das Angebot von Chainalysis.
Bereits Anfang der Woche schaltete das Unternehmen Reactor und Data Solutions ab. Diese Dienste werden unter anderem zur Untersuchung von Kryptotransaktionen und zur Analyse von Blockchain-Daten eingesetzt.
Später wurden auch bei Know Your Transaction (KYT) verdächtige Aktivitäten entdeckt. Mit diesem System prüfen Kryptounternehmen Transaktionen auf möglichen Betrug und Geldwäsche.
Daraufhin nahm Chainalysis auch KYT und weitere Prüfdienste vorübergehend vom Netz.
Laut der jüngsten Mitteilung vom Freitag, dem 6. November, wird der Zugang zu KYT und Address Screening inzwischen schrittweise wiederhergestellt.
Nutzer müssen ihre Passwörter zurücksetzen und gegebenenfalls ihre API-Schlüssel ersetzen. Über diese Schlüssel greifen externe Systeme auf die Dienste von Chainalysis zu.
Betroffene Konten bleiben vorsorglich gesperrt, bis ihre Sicherheit wiederhergestellt ist.
Besonders brisant ist der Angriff, weil Kryptobörsen, Banken und Strafverfolgungsbehörden weltweit die Dienste von Chainalysis nutzen.
Das Unternehmen hilft unter anderem dabei, gestohlene Coins aufzuspüren sowie Geldwäsche und verdächtige Geldströme aufzudecken.
Dafür verfügt Chainalysis über wertvolle Informationen, mit denen sich Blockchain-Adressen Personen und Organisationen zuordnen lassen.
Nach Angaben des Unternehmens gibt es bislang keine Belege dafür, dass Hacker Zugriff auf Ermittlungsdaten erlangt haben. Ebenso wenig liegen Hinweise darauf vor, dass Daten zur Identität hinter Blockchain-Adressen verändert wurden.
Die Untersuchung ist damit jedoch nicht abgeschlossen. Chainalysis arbeitet weiterhin mit externen Sicherheitsexperten daran, das volle Ausmaß des Angriffs zu ermitteln und seine Dienste sicher wiederherzustellen.
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