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Gold und Silber verzeichnen am Donnerstag deutliche Verluste. Der Goldpreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten gefallen, Silber verliert noch stärker. Bemerkenswert ist, dass die Edelmetallpreise trotz zunehmender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten nachgeben. Üblicherweise profitieren sie von solcher Unsicherheit, doch diesmal reagieren Anleger anders.

Gold und Silber mit deutlichen Verlusten

Der Goldpreis fiel am Donnerstag um 1,9 Prozent auf 4.060 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Damit erreichte das Edelmetall den tiefsten Stand seit dem 4. August. Silber verlor mit 3,9 Prozent noch deutlicher und verbilligte sich auf rund 55,72 Dollar.

Chart des Goldpreises in US-Dollar von Ende Juni bis zum 22. Oktober 2026. Nach einem Höchststand von knapp 4.700 Dollar Ende August ist der Goldpreis deutlich gefallen. Am 22. Oktober notiert Gold bei rund 4.082 Dollar je Feinunze und damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang August.
Goldpreis fällt auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten. (Quelle: TradingView)

Inzwischen haben beide Edelmetalle einen kleinen Teil ihrer Verluste wettgemacht. Zum Redaktionszeitpunkt gegen 14.35 Uhr notiert Gold bei rund 4.073 Dollar. Der Silberpreis hat sich leicht auf 55,77 Dollar erholt.

Steigender Ölpreis schürt Inflationssorgen

Der wichtigste Auslöser liegt im Nahen Osten. Neue Angriffe der Huthi auf Ziele in Saudi-Arabien haben die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts verstärkt. In der Folge ist der Ölpreis kräftig gestiegen. Ein Barrel der Sorte Brent kostet inzwischen rund 110 Dollar, die US-Sorte WTI notiert bei etwa 98 Dollar.

Der Preisanstieg schürt neue Inflationssorgen. Höhere Energiekosten verteuern Transport und Produktion, was die Verbraucherpreise erneut steigen lassen könnte. Zudem zeigten Daten in der vergangenen Woche, dass die Verbraucher- und Erzeugerpreise in den USA stärker gestiegen waren als erwartet.

Obwohl Gold üblicherweise als Inflationsschutz gilt, belastet die aktuelle Lage das Edelmetall. Denn eine höhere Inflation erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter anhebt. Da Gold und Silber keine Zinsen abwerfen, verlieren sie an Attraktivität, wenn etwa Staatsanleihen höhere Renditen bieten.

Silber ist besonders anfällig, weil es auch in großem Umfang in der Industrie eingesetzt wird. Höhere Zinsen können das Wirtschaftswachstum bremsen und damit die Nachfrage nach dem Edelmetall zusätzlich belasten.

Fed könnte Goldpreis weiter belasten

Anleger richten ihren Blick nun vor allem auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Sie berät am 27. und 28. Oktober über ihren Zinskurs. Zwar dürfte der Leitzins bei dieser Sitzung unverändert bleiben, doch Händler beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember inzwischen auf 86 Prozent.

Auch Goldman Sachs rechnet im Dezember mit einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Die Leitzinsspanne würde damit auf 4,00 bis 4,25 Prozent steigen. Nach Einschätzung von ANZ-Analystin Soni Kumari könnte der Goldpreis angesichts der anhaltenden Unsicherheit am Energiemarkt weiter fallen.

Am 29. Oktober werden zudem neue US-Inflationsdaten zum PCE-Preisindex veröffentlicht, einem wichtigen Maßstab für die Fed. Fallen die Zahlen erneut ungünstig aus, könnte dies die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen verstärken und den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzen.

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