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Das Kryptounternehmen Galaxy hält den Kryptowinter für beendet. In einem heute veröffentlichten Bericht bezeichnet das Unternehmen den Zeitpunkt für einen Kauf von Bitcoin (BTC) als günstig. Die großen Verkäufer des vergangenen Jahres hätten sich aus dem Markt zurückgezogen.
Allerdings steht diese Einschätzung auf unsicherer Grundlage. Angesichts der Kursverluste der vergangenen Wochen wachsen bei immer mehr Anlegern und Analysten wieder die Zweifel.
Galaxys Einschätzung ist eindeutig: Jetzt sei ein attraktiver Zeitpunkt, um Bitcoin zu kaufen und langfristig zu halten.
Nach Einschätzung von Alex Thorn, dem Forschungschef von Galaxy, hat Bitcoin seinen Tiefpunkt bereits erreicht. Der Verkaufsdruck habe nachgelassen, das Argument für Bitcoin als Schutz vor Geldentwertung habe an Gewicht gewonnen und das breite Publikum habe sich zurückgezogen, schreibt er in dem Bericht.
Thorn spricht von einer „Akkumulationsphase“, wie sie bislang jedem Bullenmarkt vorausgegangen sei.
Vier Argumente stützen diese Einschätzung: Der Kurs liegt wieder über wichtigen gleitenden Durchschnitten, Hedgefonds haben ihre Verkäufe abgeschlossen, die US-Staatsverschuldung steigt weiter und das Interesse der breiten Öffentlichkeit ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken.
Galaxy betrachtet vor allem zwei Linien im Wochenchart: den 50-Wochen-Durchschnitt, der den durchschnittlichen Kurs des vergangenen Jahres abbildet, und den 200-Wochen-Durchschnitt, der einen Zeitraum von knapp vier Jahren umfasst.
In bisherigen Bitcoin-Bärenmärkten habe sich der 200-Wochen-Durchschnitt als verlässliche Unterstützung und der 50-Wochen-Durchschnitt als Widerstand erwiesen, schreibt Thorn. Beim Tiefpunkt im Juni fiel der Kurs knapp unter diese Unterstützung. Der schwächste Wochenschluss lag 4,7 Prozent darunter.

Mitte September überwand Bitcoin nach 44 Wochen wieder die Widerstandsmarke. Seit 2011 war das nach einer derart langen Phase viermal geschehen. Ein Jahr später lag der Kurs jeweils zwischen 55 und 1.497 Prozent höher.
Seit dem Kurshoch gehörten Hedgefonds zu den größten Verkäufern. Zuvor hatten sie eine Arbitragestrategie verfolgt: Sie kauften Bitcoin über börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) und verkauften gleichzeitig Terminkontrakte, die etwas teurer gehandelt wurden. Die Preisdifferenz war ihr Gewinn.
Am Kurshoch brachte diese Strategie noch 3,9 Prozentpunkte mehr Rendite als eine kurzfristige US-Staatsanleihe. Inzwischen sind es nur noch 0,6 Prozentpunkte. Diese gesunkene Zusatzrendite habe die Multistrategiefonds zum Ausstieg bewogen, so Thorn.
Neun Fonds, darunter Millennium Management und Goldman Sachs, verkauften zusammen rund 68.000 BTC. Dennoch schrumpften die Bitcoin-Bestände der ETFs zwischen Kurshoch und Tiefpunkt lediglich um 11 Prozent, während der Kurs um 53 Prozent fiel. Seit Juni kamen bereits wieder 87.000 BTC hinzu.
Unterdessen gewinnt das Argument hinter dem sogenannten Debasement Trade an Gewicht: Anleger kaufen knappe Vermögenswerte, um sich vor einer Entwertung des Geldes zu schützen.
Die US-Staatsschulden belaufen sich auf 40,44 Billionen Dollar, nach 23,2 Billionen Anfang 2020. Allein für Zinsen gibt Washington jährlich 1,28 Billionen Dollar aus. Das entspricht fast zwei Dritteln des gesamten Haushaltsdefizits von 1,99 Billionen Dollar.
Fällige Schulden muss die Regierung laufend durch neue Kredite ersetzen. Das wird zunehmend teuer: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg Anfang Oktober auf 5,31 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007.
Ein Staat, der 40 Billionen Dollar zu einem Zinssatz von 5 Prozent refinanzieren müsse und zugleich Defizite von 6 Prozent verzeichne, stehe unter wachsendem Druck, höhere Inflation zuzulassen, schreibt Thorn. Auch die historischen Erfahrungen sprächen dafür.
Inflation verringert die reale Schuldenlast, mindert aber zugleich den Wert jedes Dollars. Die Ausgabe neuer Bitcoin ist fest vorgegeben und lässt sich nicht beliebig ausweiten. Deshalb betrachtet Galaxy den Coin als Schutz vor Geldentwertung.
An der Wall Street dreht sich alles um Stablecoins, also Krypto-Coins mit einer Dollarbindung im Verhältnis eins zu eins, und um die Tokenisierung, etwa die Abbildung von Bankeinlagen auf einer Blockchain. Bitcoin selbst findet dagegen wenig Beachtung. Die Google-Suchanfragen zu dem Coin sanken Mitte Oktober auf den niedrigsten Stand seit Jahren.
Laut Thorn ist dies bereits das dritte Mal, dass sich der Markt auf diese Weise entwickelt. Auch 2015–2016 und 2018–2019 begeisterten sich Banken für die Technologie hinter Kryptowährungen, während Bitcoin abgeschrieben wurde. Von den damaligen Tiefpunkten bis zum jeweils nächsten Hoch vervielfachte sich der Bitcoin-Kurs anschließend um das 83-Fache beziehungsweise das 20-Fache.
Bitcoin notiere bereits 39 Prozent über seinem Tiefpunkt, ohne dass dies große Aufmerksamkeit erhalte, schreibt Thorn. Galaxy sieht damit einen Markt, in dem nur wenige Anleger investiert sind und den kaum jemand beachtet – obwohl der Kurs steigt.
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