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Zu Jahresbeginn rechneten die Märkte noch mit Zinssenkungen der US-Notenbank. Durch den Krieg mit Iran ist jedoch die Sorge vor einer noch strafferen Geldpolitik gewachsen. Fed-Vertreterin Beth Hammack hält möglicherweise mehrere Zinserhöhungen für nötig, um die Inflation wieder auf das Ziel von 2 Prozent zu drücken.
Die Frage ist nur, ob sich die Fed das überhaupt leisten kann.
„Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte dürfte für sich genommen in der Regel nicht besonders viel in der Wirtschaft bewirken“, sagte die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland gestern gegenüber Yahoo Finance. Es dürften „wahrscheinlich mehrere“ Schritte werden, festlegen wolle sie sich darauf aber nicht.
Hammack stimmte am 29. Juli gegen die Entscheidung, den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Zwei weitere Fed-Präsidenten unterstützten sie, die übrigen neun Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses wollten den Zins unverändert lassen.
Nach Hammacks Einschätzung bremst das aktuelle Zinsniveau die Wirtschaft kaum. Unternehmen hätten ihr signalisiert, dass sie ihre Wachstumsinvestitionen wegen der Zinsen nicht zurückhalten.
Sie sieht eine zunehmend breit angelegte Inflation. Die Preissteigerungen beschränken sich nicht mehr auf wenige Bereiche der Wirtschaft, sondern treten in immer mehr Kategorien auf.
Ihre Kollegen hatten darauf gesetzt, dass Einfuhrzölle die Preise nur einmalig nach oben treiben und Energie mit dem Ölpreis wieder nachgeben würde. Beide Schocks hielten jedoch an, hinzu kam die KI-Investitionswelle, die Technologie zusätzlich verteuerte.
Ihre zweite Sorge gilt den Inflationserwartungen, also dem Risiko, dass hohe Teuerungsraten als normal wahrgenommen werden. Je länger die Preise um mehr als 2 Prozent steigen, desto teurer wird es, diese Erwartung wieder zu korrigieren.
Dennoch will Hammack die Geldpolitik nicht abrupt straffen. Sie vergleicht eine Erhöhung eher mit rechtzeitigem Abbremsen vor einem Stoppschild, um kontrolliert zum Stillstand zu kommen.
„Nichts wäre mir lieber, als mich in der Frage zu irren, ob wir den geldpolitischen Kurs anpassen müssen, um die Inflation wieder zum Ziel zu führen“, sagte sie. „Aus meiner Sicht ist aber nicht zu erkennen, dass sie von allein dorthin zurückkehrt.“
Die Fed hat zwei Mandate: Preisstabilität sichern und für maximale Beschäftigung sorgen. Beide Ziele weisen derzeit in entgegengesetzte Richtungen.
Die Inflation liegt seit fünf Jahren über dem Zielwert von 2 Prozent und spricht damit für höhere Zinsen. Der Arbeitsmarkt braucht dagegen eher Unterstützung in Form niedrigerer Zinsen.
Wie aus dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag hervorging, gingen im Juli 23.000 Stellen verloren. Das ist der drittgrößte Stellenabbau seit der Corona-Pandemie 2020.
Drei Schocks überlagern sich derzeit. Einfuhrzölle haben Produkte verteuert, die KI-Investitionswelle treibt die Technologiepreise nach oben, und Energie ist wegen der blockierten Straße von Hormus deutlich teurer geworden.
Letzterer Faktor wiegt am schwersten. An der Tankstelle ist ein hoher Ölpreis sofort sichtbar. Über Transport, Produktion und Düngemittel schlägt er später auch auf die übrigen Preise durch.
Normalerweise entsteht Inflation, wenn die Nachfrage stärker steigt als die Produktion. Unternehmen erhöhen dann ihre Preise, und weil Arbeitskräfte knapper werden, ziehen anschließend die Löhne nach.
Gegen diese Art von Inflation setzt ein höherer Zins an der Ursache an. Kredite werden teurer, Unternehmen investieren weniger, und die Nachfrage kühlt ab.
Jetzt kommt die Inflation jedoch von der Angebotsseite. Höhere Zinsen drücken zwar weiterhin auf die Preise, sorgen aber nicht dafür, dass mehr Öl durch die Straße von Hormus fließt.
Wegen der enormen Staatsverschuldung des Landes gibt es eigentlich keinen Spielraum, die Zinsen deutlich anzuheben. Die Schulden sind auf mehr als 40 Billionen US-Dollar gestiegen, wodurch das Finanzministerium bereits mehr als 24 Milliarden US-Dollar pro Woche an Zinskosten zahlt.
Ein Drittel dieser Schulden wird innerhalb eines Jahres fällig und muss refinanziert werden. Jede Erhöhung des Leitzinses schlägt damit im Haushalt durch. Offiziell spielt das keine Rolle, denn die Fed muss den Haushalt Washingtons nicht überwachen.
Nach der Pressekonferenz des Vorsitzenden Kevin Warsh stieg die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen auf 5,28 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Damit signalisiert der Markt Zweifel daran, ob die Fed die Inflation tatsächlich bekämpfen wird. Im Juni lag der Verbraucherpreisindex (CPI) bei 3,5 Prozent, morgen folgen die Daten für Juli.
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