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Fed-Chef Kevin Warsh lässt Anleger über den nächsten Zinsschritt im Unklaren. Bei einer Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Bangkok erklärte er, den Zinsentscheidungen nicht vorgreifen zu wollen.

Das ist bemerkenswert, denn der Markt versucht derzeit einzuschätzen, ob die US-Notenbank bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober die Zinsen erneut erhöht.

Keine Vorabsignale zum Zinskurs mehr

Warsh machte deutlich, dass die Fed ihre Kommunikation ändert. Er will weniger auf die sogenannte Forward Guidance setzen, mit der Notenbanker vorab Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen geben.

Nach Ansicht von Warsh müssen die Finanzmärkte die Konjunkturdaten selbst interpretieren. Die Fed werde die Zinserwartungen nicht mehr im Voraus lenken. Derzeit rechnet der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 72 Prozent damit, dass die Zinsen im Oktober unverändert bleiben.

Für Dezember wird dagegen weiterhin überwiegend eine erneute Anhebung um 25 Basispunkte erwartet.

Weltweit straffere Geldpolitik

Warsh verwies zudem auf eine auffällige internationale Entwicklung: Weltweit straffen die Zentralbanken gleichzeitig ihre Geldpolitik.

Er sprach von einer synchronen Straffung, der sich keine Notenbank entziehe. Die Hintergründe sind klar: Hohe Energiepreise infolge des Krieges um Iran halten die Inflation hoch. Zugleich erhöhen massive Investitionen in die KI-Infrastruktur die Kapitalnachfrage und könnten die Finanzierungskosten weiter steigen lassen.

Hinzu kommt, dass die weltweite Staatsverschuldung auf mehr als 100 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung zusteuert.

Warsh bleibt bei KI optimistisch

Trotz der kurzfristigen Risiken beurteilt Warsh die Aussichten für KI weiterhin positiv. Er erwartet, dass Volkswirtschaften, die diese Technologie erfolgreich einsetzen, langfristig produktiver und wohlhabender werden.

Auf dem Weg dorthin rechnet er allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten. Vor allem die kurzfristigen Folgen für den Arbeitsmarkt seien noch schwer abzuschätzen.

Die Fed hatte die Zinsen im vergangenen Monat auf 3,75 bis 4 Prozent angehoben. Es war die erste Erhöhung seit 2023. Über den weiteren Kurs bleibt der Markt vorerst im Ungewissen. Warsh sieht langfristig große wirtschaftliche Chancen, lässt aber offen, wie viele weitere Zinserhöhungen dafür kurzfristig noch nötig sind.

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