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Europa arbeitet seit Jahren an der Entwicklung eines digitalen Euro (CBDC). Die Europäische Zentralbank (EZB) will damit eine neue Zahlungsmöglichkeit schaffen.
Nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone geht es bei dem Projekt jedoch um weit mehr als bequemes Bezahlen. Er warnt, Europa sei in einem zentralen Bereich zu abhängig von ausländischen Unternehmen geworden.
In einem Interview mit der italienischen Zeitung Milano Finanza erläutert Cipollone, warum er den digitalen Euro für notwendig hält. Bei der Zahlungsabwicklung ist Europa derzeit stark auf ausländische Unternehmen angewiesen.
Nach Angaben des EZB-Direktoriumsmitglieds werden rund zwei Drittel aller Kartenzahlungen in Europa über Systeme abgewickelt, die von außereuropäischen Unternehmen kontrolliert werden. Das macht Europa verwundbar, wenn der Zugang zu diesen Diensten gefährdet ist.
Cipollone vergleicht die Situation mit der Abhängigkeit von anderen Ländern in den Bereichen Energie und Verteidigung. Europa habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass es sich bei zentralen Dienstleistungen nicht vollständig auf andere verlassen könne.
Der digitale Euro soll das ändern. Ein eigenes digitales Zahlungssystem würde Europa mehr Kontrolle über den Zahlungsverkehr geben und die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern verringern.
Die EZB will im kommenden Jahr einen Pilotversuch starten, bei dem echte Zahlungen mit dem digitalen Euro abgewickelt werden. Daran sollen Beschäftigte der EZB und der nationalen Zentralbanken teilnehmen.
Inzwischen beteiligen sich 36 Marktteilnehmer an den Vorbereitungen für den digitalen Euro. Zudem sucht die EZB nach Onlinehändlern und Anbietern mobiler Zahlungsdienste, die an dem Vorhaben mitwirken wollen.
Mehr europäische Unabhängigkeit bedeutet laut Cipollone nicht, ausländische Unternehmen auszuschließen. Entscheidend sei vielmehr, dass Europa selbst entscheiden könne und bei wichtigen Zahlungsdiensten nicht vollständig auf andere angewiesen sei.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte der digitale Euro ab 2029 verfügbar sein. Zuvor müssen sich die politischen Entscheidungsträger in Europa auf die erforderlichen gesetzlichen Grundlagen einigen.
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