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Europäische Aktien schneiden in dieser Woche deutlich besser ab als US-Titel. Während Anleger bei Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) vorsichtiger werden, profitiert Europa von Umschichtungen in risikoärmere Branchen. Der Renditevorsprung gegenüber dem amerikanischen S&P 500 ist so groß wie seit März nicht mehr.

Europas Börsen profitieren von Skepsis gegenüber KI-Aktien

Der breit gefasste europäische Aktienindex Stoxx Europe 600 legte am Freitagvormittag um 0,3 Prozent zu. Besonders gefragt waren Industrieunternehmen und Finanzdienstleister. Gesundheitswerte blieben dagegen zurück.

Das Balkendiagramm von Bloomberg zeigt die wöchentliche Renditedifferenz zwischen dem europäischen Stoxx 600 und dem US-amerikanischen S&P 500 im Jahr 2026. Im Oktober schneiden europäische Aktien deutlich besser ab als US-Aktien und verzeichnen den größten Renditevorsprung seit März.

Auf Wochensicht liegt der europäische Index inzwischen 1,6 Prozent im Plus. Damit entwickeln sich europäische Aktien deutlich besser als der amerikanische S&P 500. Der Renditeabstand ist so groß wie seit der Woche vom 27. März nicht mehr.

Ein wesentlicher Grund ist die wachsende Zurückhaltung gegenüber KI-Aktien. Nachdem Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz lange auf großes Interesse gestoßen waren, veranlassen die zunehmenden Kursschwankungen in der Branche Anleger nun dazu, nach Alternativen zu suchen.

Davon profitiert Europa. Am europäischen Aktienmarkt sind traditionelle Branchen vergleichsweise stark vertreten. Deren Unternehmen sind in der Regel weniger von hohen Wachstumserwartungen an neue Technologien abhängig.

Auch gute Unternehmensergebnisse stützen die europäischen Börsen.

US-Notenbank sorgt für Erleichterung

Neben der Abkehr von KI-Aktien spielt die Zinspolitik der US-Notenbank eine wichtige Rolle.

Anleger halten eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve (Fed) in diesem Monat inzwischen für weniger wahrscheinlich. Anlass ist eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Bangkok.

Warsh äußerte sich in seiner Rede weder zum künftigen Zinskurs noch zu den Aussichten für die US-Wirtschaft.

Daraufhin passten Anleger ihre Erwartungen an. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober wird nun geringer eingeschätzt.

Höhere Zinsen verteuern Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Zudem können Anlagen wie Anleihen gegenüber Aktien attraktiver werden. Schwindende Zinssorgen können den Aktienmarkt daher stützen.

Die Risiken bleiben jedoch bestehen. Vor allem die hohen Energiepreise infolge des Krieges mit Iran stehen weiter im Fokus.

Guillermo Hernandez Sampere, Handelschef beim Vermögensverwalter MPPM, sieht die Aktienmärkte durch positive Konjunkturdaten aus der Eurozone gestützt. Zugleich warnt er vor den Folgen geopolitischer Spannungen und steigender Inflation.

Auch der Anleihemarkt verdient aus seiner Sicht Aufmerksamkeit. Die Renditen von Staatsanleihen einiger Euroländer könnten weiter steigen. Das könnte den Euro und die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzlich unter Druck setzen.

Unternehmensnachrichten sorgen für kräftige Kursgewinne in Europa

Auch bei einzelnen Aktien gab es am Freitag deutliche Kursbewegungen.

Zu den auffälligsten Gewinnern gehörte der deutsche Windturbinenhersteller Nordex. Die Aktie legte um 13 Prozent zu, nachdem das Unternehmen Quartalsergebnisse deutlich über den Analystenerwartungen vorgelegt hatte.

Nordex hob zudem sein Margenziel für das Gesamtjahr an. Anleger reagierten positiv auf die verbesserten Aussichten.

Auch die Commerzbank profitierte von guten Nachrichten. Die Aktie stieg um 1,1 Prozent, nachdem die italienische Bank UniCredit von der EZB die Genehmigung erhalten hatte, ihre Beteiligung an der Commerzbank weiter auszubauen.

Damit rückt eine mögliche Übernahme der deutschen Bank durch UniCredit näher. UniCredit-Chef Andrea Orcel erhält dadurch mehr Spielraum, seine Übernahmepläne voranzutreiben.

Unterdessen verfolgen Anleger weiterhin die Entwicklungen im Krieg mit Iran und die hohen Energiepreise. Zusammen mit den anstehenden Zinsentscheidungen der Notenbanken könnten sie die Entwicklung der europäischen Aktienmärkte in den kommenden Wochen maßgeblich beeinflussen.

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