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Der Ethereum-Entwickler Nethermind und der Anbieter der Bitcoin-Wallet ZEUS wollen künstliche Intelligenz (KI) nutzen, um ihre Software besser vor Hackern zu schützen. Beide Unternehmen haben Zugang zu OSS Scanner beantragt, einem neuen Sicherheitsprogramm von Anthropic, dem Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude. Die Technologie soll Sicherheitslücken aufspüren, bevor Cyberkriminelle sie ausnutzen können. Das wird immer wichtiger, da auch Hacker zunehmend KI einsetzen.

Ethereum-Entwickler Nethermind plant Prüfung des gesamten Quellcodes

Nethermind gehört zu den ersten Unternehmen der Kryptobranche, die Zugang zu OSS Scanner beantragt haben. Das Unternehmen entwickelt Software, mit der sich Computer mit dem Ethereum-Netzwerk verbinden und an der Verarbeitung von Transaktionen mitwirken.

Über die Entwicklerplattform GitHub hat Nethermind eine Prüfung seines gesamten Quellcodes beantragt. Das Unternehmen will mögliche Schwachstellen frühzeitig erkennen und beheben, bevor Angreifer sie ausnutzen.

Auch der Anbieter der Bitcoin-Wallet ZEUS hat Interesse bekundet. Mit dieser digitalen Wallet können Nutzer ihre Bitcoin (BTC) selbst verwalten und Zahlungen über das Lightning Network abwickeln. Dieses Netzwerk ermöglicht schnellere und günstigere Bitcoin-Zahlungen.

ZEUS will vor allem prüfen lassen, ob Sicherheitslücken bestehen, die Zahlungen, private Schlüssel oder Verbindungen zu Lightning-Diensten gefährden könnten. Private Schlüssel sind geheime digitale Codes, mit denen Nutzer auf ihre Bitcoin zugreifen. Gelangen diese Daten in die falschen Hände, können Nutzer ihr Geld verlieren.

Auch VirtEngine hat einen Antrag gestellt. Auf der dezentralen Plattform können Nutzer Rechenkapazität anbieten und beziehen. Darüber hinaus haben sich Entwickler von KI-Assistenten, Cloudspeichern und Sicherheitssoftware beworben.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren die Anträge noch nicht genehmigt. Ob Nethermind, ZEUS und die übrigen Antragsteller tatsächlich Zugang erhalten, ist daher offen.

Anthropic nutzt Claude Mythos zur Suche nach Sicherheitslücken

OSS Scanner soll die Sicherheit von Open-Source-Software verbessern. Deren Quellcode ist öffentlich zugänglich und kann von jedem eingesehen und geprüft werden. Das ermöglicht allerdings auch Angreifern, nach Schwachstellen zu suchen.

Das Programm nutzt leistungsfähige KI-Modelle, darunter Claude Mythos. Die Technologie kann große Mengen an Programmcode analysieren und mögliche Sicherheitsprobleme erkennen. Entwickler erhalten anschließend Berichte, anhand derer sie die entdeckten Schwachstellen untersuchen und beheben können.

OSS Scanner baut auf Project Glasswing auf, einer früheren Sicherheitsinitiative von Anthropic.

Das KI-Unternehmen untersucht bereits seit Längerem öffentlich zugängliche Software auf Schwachstellen. Bislang prüfen Sicherheitsexperten die entdeckten Probleme, bevor die Entwickler darüber informiert werden.

Laut Anthropic kann dieses Verfahren zu Verzögerungen führen. Der Zeitverlust kann entscheidend sein, weil Cyberkriminelle in der Zwischenzeit dieselben Schwachstellen entdecken und ausnutzen können.

Mit OSS Scanner will Anthropic die Ergebnisse schneller bereitstellen. Teilnehmende Entwickler erhalten einen Bericht, sobald die KI-Modelle ihre Software untersucht haben.

Der Zugang wird nicht automatisch gewährt. Anthropic prüft jeden Antrag einzeln und berücksichtigt dabei unter anderem die Bedeutung der Software, die Sicherheit der Nutzer und die möglichen Folgen eines Cyberangriffs.

Hacker setzen bei Angriffen auf Kryptounternehmen zunehmend KI ein

Das Interesse von Nethermind und ZEUS fällt in eine Zeit, in der künstliche Intelligenz auch bei Cyberangriffen eine immer größere Rolle spielt.

Dieselbe Technologie, mit der Entwickler ihre Software schützen, kann auch Hackern einen Vorteil verschaffen. Leistungsfähige KI-Modelle helfen Angreifern, schneller nach Sicherheitslücken zu suchen und neue Methoden zum Eindringen in Systeme zu entwickeln.

In der Kryptobranche gibt es dafür bereits Beispiele.

So musste der Bitcoin-Tauschdienst Boltz im August seinen Betrieb einstellen. Nach Angaben des Unternehmens entwickelten Angreifer schneller neue Methoden zur Ausnutzung von Schwachstellen, als das Team die Probleme beheben konnte.

Auch der Krypto-Zahlungsdienstleister PayPerQ berichtete von wiederholten Cyberangriffen, bei denen vermutlich KI zum Einsatz kam.

Besonders kleinere Kryptounternehmen sind gefährdet. Ihnen stehen häufig weniger finanzielle Mittel und Sicherheitsexperten zur Verfügung, während Angreifer dank KI schneller und effizienter vorgehen können.

Anthropic warnt, dass die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz kurzfristig sogar Cyberkriminellen stärker zugutekommen könnte als Sicherheitsteams.

Mit KI wird die Suche nach Schwachstellen einfacher und günstiger. Die Prüfung und Behebung dieser Probleme bleibt dagegen weitgehend auf menschliche Arbeit angewiesen.

Hacker könnten deshalb neue Sicherheitslücken schneller finden, als Unternehmen sie schließen können.

Sicherheitsexperten sorgen sich zudem um den ungleichen Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen. Verfügen Angreifer über bessere Technologie als die Verantwortlichen für die Systemsicherheit, steigt das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe weiter.

Mit OSS Scanner will Anthropic diese Lücke verkleinern und Entwicklern öffentlich zugänglicher Software Zugang zu leistungsfähigen Sicherheitsanalysen geben.

Für Kryptounternehmen steht viel auf dem Spiel. Bitcoin-Wallets, Zahlungsplattformen und Blockchainnetzwerke verarbeiten Transaktionen oder verwalten Systeme, über die große Geldbeträge transferiert werden. Schon eine einzige schwerwiegende Sicherheitslücke kann erhebliche finanzielle Schäden verursachen.

Ob OSS Scanner tatsächlich Angriffe verhindern hilft, bleibt abzuwarten. Vorerst warten Nethermind, ZEUS und die übrigen Antragsteller auf die Entscheidung von Anthropic über ihren Zugang zum Programm.

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