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Anleger haben erstmals seit Jahrzehnten wieder eine ernsthafte Alternative zu Aktien.
Inflationsgeschützte US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren bieten laut Jeremy Siegel derzeit eine reale Rendite von rund 3,35 Prozent, also nach Abzug der Inflation.
Dem Wharton-Professor und Chefökonomen von WisdomTree zufolge ist das der höchste Stand seit 20 bis 30 Jahren. Damit verändert sich auch die Bewertung von Aktien im Vergleich zu Anleihen.
Bei inflationsgeschützten US-Staatsanleihen, sogenannten TIPS, wird der Nennwert an die US-Inflation angepasst.
Eine reale Rendite von 3,35 Prozent bedeutet deshalb vereinfacht, dass Anleger diese Rendite zusätzlich zum Inflationsausgleich erhalten, sofern sie die Anleihe entsprechend den Bedingungen halten.
Zum Vergleich: Bei Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 liegt die Gewinnrendite bei etwa 5 Prozent.
Nach Siegels vereinfachter Rechnung beträgt der mögliche Renditeaufschlag für die Risiken einer Aktienanlage damit nur noch rund 1,65 Prozentpunkte. Diese Risikoprämie schrumpft zunehmend.
Allerdings reagieren nicht alle Aktien gleich. Laut Siegel erzielen die größten Technologiekonzerne Gewinnmargen von 50 bis 70 Prozent. Viele Unternehmen außerhalb des Technologiesektors kommen dagegen nur auf 7 bis 10 Prozent.
Bei höheren Zinsen gewinnt dieser Unterschied an Bedeutung. Unternehmen mit sehr hohen Margen können steigende Finanzierungskosten vergleichsweise leicht verkraften.
Unternehmen mit niedrigen Margen trifft dagegen jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Zinsen deutlich härter. Das könnte erklären, warum sich die großen Technologiekonzerne auffallend gut behaupten, während weite Teile des übrigen Marktes zurückbleiben.
Im September verloren etwa drei Viertel der Aktien im S&P 500 an Wert, während sich der Index insgesamt kaum veränderte.
Darin liegt Siegel zufolge die eigentliche Herausforderung. Wenn Anleger mit Staatsanleihen bereits rund 3 Prozent reale Rendite erzielen können, ohne Aktienrisiken einzugehen, müssen Unternehmen genügend Gewinnwachstum bieten, damit ihre Aktien attraktiv bleiben.
Eine hohe Bewertung allein reicht dann nicht mehr aus. Unternehmen müssen tatsächlich Ergebnisse liefern. Besonders anfällig werden dadurch hoch bewertete Aktien, deren Bewertung auf Gewinnen in ferner Zukunft beruht.
Siegel hält zudem noch zwei Zinserhöhungen der US-Notenbank in diesem Jahr für notwendig.
Die eigenen Projektionen der Fed deuteten im September auf eine weniger starke geldpolitische Straffung hin.
Siegel brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass die Fed bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober auf eine Zinserhöhung verzichten und den Leitzins anschließend im Dezember um 50 Basispunkte anheben könnte. Die Oktobersitzung findet weniger als eine Woche vor den US-Zwischenwahlen am 3. November statt.
Damit ändern sich die Bedingungen grundlegend. Jahrelang kamen Anleger kaum an Aktien vorbei, weil sichere Anleihen nahezu keine reale Rendite abwarfen.
Das ist inzwischen anders. Aktien können weiterhin höhere Renditen erzielen, insbesondere wenn der KI-Investitionszyklus weiter für kräftiges Gewinnwachstum sorgt.
Bei realen Zinsen von mehr als 3 Prozent müssen Anleger jedoch immer weniger Risiko eingehen, um eine attraktive Rendite zu erzielen. Je weiter diese Zinsen steigen, desto höher werden die Renditeanforderungen an Aktien.
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