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Der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) hat eine neue Milliardenbranche entstehen lassen. Unternehmen investieren enorme Summen in Rechenzentren und leistungsstarke Chips, um die wachsende Nachfrage nach Rechenleistung zu bedienen. Elon Musk warnt jedoch, dass ein großer Teil dieser jungen Branche scheitern könnte. Auch in der Branche selbst wächst die Erwartung, dass eine umfassende Konsolidierung unausweichlich ist.
Musks Warnung gilt sogenannten Neocloud-Anbietern. Diese spezialisierten Unternehmen kaufen leistungsstarke KI-Chips, bauen oder mieten Rechenzentren und vermieten deren Rechenleistung an Technologieunternehmen. Der KI-Boom hat die Zahl dieser Anbieter in den vergangenen Jahren stark wachsen lassen.
Musk prognostizierte am Sonntag auf seiner Plattform X, dass mehr als 200 dieser Unternehmen vom Markt verschwinden oder übernommen werden könnten. Ihr größtes Risiko ist die Abhängigkeit von der Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Zugleich finanzieren sie ihre Investitionen überwiegend über Schulden.
Große Technologiekonzerne können ihre Infrastruktur häufig auch für andere Cloud-Dienste nutzen. Bei spezialisierten Anbietern ist das anders. Bleibt die Nachfrage nach KI-Kapazitäten hinter den Erwartungen zurück, sitzen sie auf teuren Rechenzentren, schnell veraltenden Chips und hohen Kreditschulden.
Auch der Chiphersteller Nvidia ist Risiken ausgesetzt. Das Unternehmen hat mehr als 7 Milliarden Dollar direkt in Anbieter von KI-Rechenleistung investiert. Aus dem jüngsten Quartalsbericht geht zudem hervor, dass Nvidia Garantien und Verpflichtungen von bis zu 164,5 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Rechenzentren eingegangen ist, in denen seine Chips zum Einsatz kommen.
Die Aktien von CoreWeave, Nebius und Iren gaben am Montagmorgen nach Musks Äußerungen nach. Bis zum Ende des Handelstages hatten alle drei Titel ihre Verluste jedoch wieder wettgemacht.
Mehrere Analysehäuser teilen diese Bedenken. Gartner erwartet, dass 80 Prozent der unabhängigen Neocloud-Unternehmen bis 2030 nicht mehr eigenständig am Markt tätig sein werden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie alle Insolvenz anmelden müssen. Auch Übernahmen und Fusionen können zum Verlust der Eigenständigkeit führen.
Analysten von Bernstein schätzen zudem, dass nur 35 Prozent der angekündigten Rechenzentrumskapazitäten in Nordamerika tatsächlich gebaut werden, wie Bloomberg berichtete.
Ein wesentliches Hindernis ist die Stromversorgung. Neue Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie, während der Anschluss an das Stromnetz in vielen Ländern zunehmend schwieriger wird. Auch lokaler Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren führt zu Verzögerungen.
Raimund Riedl, Finanzchef des KI-Infrastrukturunternehmens Volta, rechnet ebenfalls mit tiefgreifenden Veränderungen. Bei einer Nvidia-Veranstaltung in Berlin sagte er dem Magazin Fortune, der Branche stehe eine massive Konsolidierungswelle bevor.
Volta will sich durch die Gewinnung institutioneller Investoren von der Konkurrenz abheben. Das Unternehmen sammelte bereits 300 Millionen Dollar bei Investoren ein, darunter Andreessen Horowitz und Nvidia. Zudem verfügt es über einen Vertrag im Wert von 10 Milliarden Dollar, Berichten zufolge mit Anthropic. Dieser Vertrag erleichterte den Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung über 5 Milliarden Dollar.
Für Paul Miller, Analyst bei Forrester, ist die erwartete Konsolidierung eine logische Folge des enormen Interesses an künstlicher Intelligenz. Viele neue Unternehmen wollen vom wachsenden Markt profitieren. Doch nicht alle verfügen über ausreichend Kapital, Kunden und Infrastruktur, um sich zu behaupten.
Miller rechnet innerhalb eines Jahres mit den ersten Übernahmen und Fusionen. Danach könnte sich die Konsolidierung weiter beschleunigen.
Das bedeutet aus seiner Sicht nicht, dass das Wachstum bei KI-Rechenzentren zu Ende ist. Die Nachfrage nach Rechenleistung bleibt hoch. Viele Unternehmen haben jedoch Kapazitäten zugesagt, die sie möglicherweise nie bereitstellen können.
Für etablierte Anbieter könnten sich daraus Chancen ergeben. Unternehmen, die bereits über betriebsbereite Rechenzentren, leistungsstarke Chips und einen bestehenden Kundenstamm verfügen, könnten vom Ausscheiden kleinerer Wettbewerber profitieren.
Bei der erwarteten Marktbereinigung wird entscheidend sein, welche Unternehmen ihre ambitionierten Pläne tatsächlich umsetzen können. Neben der Nachfrage nach KI werden auch der Zugang zu Strom und Finanzierung sowie eine verlässliche Infrastruktur darüber entscheiden, wer sich am Markt behauptet.
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