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Deutschland galt im vergangenen Jahr plötzlich als eine der attraktivsten Anlagestorys Europas. Die Bundesregierung kündigte ein Investitionspaket von 500 Milliarden Euro an, deutsche Aktien legten kräftig zu. Doch die versprochene Belebung bleibt in diesem Jahr weitgehend aus.

Nun kommt ein weiteres Problem hinzu. Die rechtsaußen stehende AfD erreichte am Sonntag bei der Wahl in Sachsen-Anhalt 44 Prozent der Stimmen – ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Zusammen mit hohen Energiepreisen, enttäuschendem Wachstum und Zweifeln an der Verwendung der Milliarden sorgt das für neue Unsicherheit unter Anlegern.

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Milliarden bringen bislang kaum Wirtschaftswachstum

Im vergangenen Jahr waren die Erwartungen groß. Allein die Ankündigung zusätzlicher Staatsausgaben von 500 Milliarden Euro trieb den deutschen MDAX 2025 um rund zwanzig Prozent nach oben. Ein von UBS zusammengestellter Aktienkorb mit Unternehmen, die von den zusätzlichen Ausgaben profitieren könnten, gewann sogar 65 Prozent.

In diesem Jahr hat die Begeisterung deutlich nachgelassen. Der MDAX liegt nur noch 5,7 Prozent im Plus und bleibt damit sogar hinter dem DAX zurück, der um 6,4 Prozent gestiegen ist.

Ein wichtiger Grund ist die Verwendung der staatlichen Mittel. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts flossen im vergangenen Jahr 95 Prozent der neuen Schulden, die für zusätzliche Ausgaben vorgesehen waren, in Lücken des regulären Haushalts – statt in neue Investitionen.

Das widerspricht den Erwartungen, die Anleger zunächst hatten. Sie rechneten mit Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienenwege, Stromnetze und andere Infrastruktur.

Auch die Konjunkturaussichten bleiben verhalten. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent und für 2027 ein Plus von 1,1 Prozent. Das ist besser als die nahezu stagnierende Wirtschaft der vergangenen zwei Jahre, aber noch keine kräftige Erholung.

AfD-Erfolg erhöht das politische Risiko

Neben der wirtschaftlichen Lage nimmt auch die politische Unsicherheit zu. Bundeskanzler Friedrich Merz kämpft mit sehr schwachen Zustimmungswerten. In einer jüngsten Umfrage waren nur fünfzehn Prozent mit seiner Arbeit zufrieden.

Hinzu kam am Sonntag das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Die AfD erhielt 44 Prozent der Stimmen und rückte damit in die Nähe einer absoluten Mehrheit.

In den kommenden zwei Wochen stehen zwei weitere Landtagswahlen an. Neue Rückschläge für Merz könnten den Druck auf seine Regierung weiter erhöhen.

Morgan Stanley hält ein Auseinanderbrechen der Regierungskoalition weiterhin für ein geringes Risiko. Ein sehr schwaches Ergebnis für Merz könnte nach Einschätzung der Bank jedoch eine Debatte über seine Führung auslösen.

Hoher Gaspreis belastet deutsche Industrie erneut

Gleichzeitig steht Deutschland erneut vor einem Energieschock. Der europäische Gaspreis liegt bei rund 75 Euro je Megawattstunde, dem höchsten Stand seit Januar 2023 und mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn.

Die Kriege und die Probleme rund um die Straße von Hormus machen Deutschland besonders anfällig. Höhere Energiepreise treffen nicht nur die privaten Haushalte, sondern vor allem die energieintensive deutsche Industrie.

Auch die wichtige Autobranche steht unter Druck. Volkswagen wurde in diesem Monat aus dem Euro Stoxx 50 gestrichen. In Stuttgart, dem Sitz von Mercedes-Benz und Porsche, sind die Folgen inzwischen in den öffentlichen Finanzen sichtbar.

Die Stadt rechnet 2026 nur noch mit 700 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. 2023 waren es mehr als 1,6 Milliarden Euro. Stuttgart hat deshalb seinen ersten Sparhaushalt seit 2009 beschlossen.

Anleger werden bei deutschen Aktien vorsichtiger

Nicht alles sieht schlecht aus. Deutsche Unternehmen, die von künstlicher Intelligenz und Investitionen in Stromnetze profitieren, entwickeln sich vergleichsweise gut. Zudem liegt die deutsche Staatsverschuldung mit rund 64 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weiterhin deutlich niedriger als in vielen anderen großen Volkswirtschaften.

Auch das Investitionspaket der Bundesregierung bleibt bestehen. Für größere Änderungen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. UniCredit erwartet daher zwar mehr politische Unruhe, aber keine politische Blockade in Berlin.

Dennoch schrumpft der finanzielle Spielraum. Deutschland will allein 2027 neue Schulden von mehr als 200 Milliarden Euro aufnehmen, während die Zinsen steigen.

Für Anleger entsteht damit eine schwierige Abwägung. Die staatlichen Mittel könnten ab 2027 doch noch einen konjunkturellen Impuls liefern, doch die Probleme sind bereits da. Deutschland kämpft mit hohen Energiepreisen, politischer Unsicherheit und einer Industrie, die unter Druck steht.

Der DAX muss darunter allerdings nicht vollständig leiden. Viele große deutsche Börsenkonzerne erzielen einen erheblichen Teil ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands. Probleme in der Binnenwirtschaft bedeuten daher nicht automatisch, dass der wichtigste deutsche Aktienindex im gleichen Maß getroffen wird.

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