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Deutschland muss für neue Schulden immer tiefer in die Tasche greifen. Am Dienstag bringt der Bund eine neue lang laufende Staatsanleihe an den Markt, deren Rendite voraussichtlich nahe dem höchsten Stand seit 15 Jahren liegt.

Die Entwicklung fügt sich in einen breiteren Ausverkauf an den globalen Anleihemärkten ein. Anleger verlangen zunehmend höhere Renditen, wenn sie Staaten über Jahrzehnte Geld überlassen. In Deutschland kommt hinzu, dass die Bundesregierung in den kommenden Jahren deutlich mehr für Verteidigung und Infrastruktur ausgeben will.

Deutschland zahlt fast 3,8 Prozent Rendite

Deutschland muss für langfristige Kredite immer höhere Zinsen bieten. Die neuen Bundesanleihen laufen bis August 2056 und dürften eine Rendite von etwa 3,8 Prozent erreichen. Eine vergleichbare Bundesanleihe mit Fälligkeit 2054 rentierte am Dienstag bei rund 3,77 Prozent.

Damit liegen die deutschen Finanzierungskosten wieder auf Niveaus, die zuletzt während der europäischen Schuldenkrise zu sehen waren.

Der Anstieg vollzieht sich zudem rasch. Erst im vergangenen Monat hatte Deutschland ein kleineres Volumen dreißigjähriger Bundesanleihen zu 3,64 Prozent verkauft. Das war bereits der höchste Wert bei einer regulären Emission dieser Laufzeit seit 2011. Seitdem sind die Anleihekurse weltweit weiter gefallen, wodurch die Renditen zusätzlich gestiegen sind.

Mit der neuen Platzierung will Deutschland nach Einschätzung von Christoph Rieger von der Commerzbank bis zu 3,5 Milliarden Euro einnehmen. Für den Bund bedeutet die höhere Rendite, dass neue Schulden zunehmend teurer werden.

Deutschland ist damit kein Einzelfall. Weltweit steigen die Finanzierungskosten der Staaten, getrieben von anhaltenden Inflationssorgen, höheren Energiepreisen und großen Haushaltsdefiziten. So mussten die Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche bei der Platzierung dreißigjähriger Staatsanleihen die höchste Rendite seit 25 Jahren zahlen.

Deutschland will im kommenden Jahr deutlich mehr Schulden aufnehmen

Die höheren Zinsen treffen Deutschland zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Gerade wenn die Kreditaufnahme teurer wird, benötigt der Staat in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld, unter anderem für Verteidigung und Infrastruktur.

Berechnungen der Commerzbank zufolge könnte Deutschland 2027 netto Staatsanleihen im Rekordvolumen von rund 163 Milliarden Euro ausgeben. In diesem Jahr werden es voraussichtlich noch 137 Milliarden Euro sein.

Rechnet man alle Anleihen zusammen, die Deutschland im kommenden Jahr an den Markt bringt, könnte das Volumen sogar auf rund 400 Milliarden Euro steigen. Ein großer Teil davon wird benötigt, um alte Schulden zu refinanzieren. Im Jahr 2027 werden bestehende deutsche Staatsschulden im Rekordumfang von 238 Milliarden Euro fällig.

Hinzu kommen die höheren Staatsausgaben. Deutschland stellt in den kommenden Jahren deutlich mehr Mittel für Verteidigung und Infrastruktur bereit. Nach den aktuellen Haushaltsplänen könnte der gesamte Nettofinanzierungsbedarf 2027 dadurch auf etwa 204 Milliarden Euro steigen.

Nicht der gesamte Betrag muss über lang laufende Bundesanleihen aufgenommen werden. Der Bund kann auch kurzfristige Schuldtitel ausgeben, Reserven nutzen oder andere Einnahmequellen heranziehen.

Dennoch ist der Zeitpunkt heikel. Deutschland muss ausgerechnet dann deutlich mehr Geld aufnehmen, wenn Anleger für langfristige Kredite an den Bund die höchsten Renditen seit rund 15 Jahren verlangen.

Anleger verlangen höhere Renditen von Staaten

Die deutsche Emission macht ein größeres Problem sichtbar, mit dem derzeit viele Regierungen konfrontiert sind. Jahrelang konnten Staaten über Jahrzehnte vergleichsweise günstig Geld aufnehmen. Diese Phase ist schnell zu Ende gegangen.

Höhere Ölpreise halten den Inflationsdruck hoch, während viele Regierungen zugleich ihre Ausgaben erhöhen. Dadurch kommen mehr Staatsanleihen an den Markt, und Anleger verlangen eine höhere Vergütung dafür, ihr Kapital für dreißig Jahre zu binden.

Deutschland setzt am Dienstag auf eine Platzierung über ein Konsortium großer Banken, darunter Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Deutsche Bank, JPMorgan und NatWest. Eine solche Struktur ist in der Regel teurer als eine normale Auktion, ermöglicht aber, auf einen Schlag ein großes Volumen aufzunehmen und einen breiteren Anlegerkreis zu erreichen.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Üblicherweise ist Deutschland nicht das erste europäische Land, das nach der ruhigen Sommerphase mit einer derart großen, von Banken geführten Anleiheplatzierung an den Markt geht. Seit 2015 übernahm meist Finnland diese Rolle.

Für Deutschland ist die Herausforderung klar: Genau in dem Moment, in dem der Staat Hunderte Milliarden Euro zusätzlich finanzieren muss, ist die Kreditaufnahme so teuer wie seit Jahren nicht mehr.

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