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Der Chiphersteller Marvell Technology übernimmt Lumentum in einer der größten Übernahmen der Technologiebranche. Damit setzt Marvell auf Laser, die Daten mit hoher Geschwindigkeit zwischen KI-Servern übertragen. Anleger reagierten heute allerdings mit deutlichen Verkäufen.

Optische Datenübertragung im Mittelpunkt der Übernahme

Marvell bewertet Lumentum bei der Übernahme mit rund 115 Milliarden Dollar einschließlich Schulden. Gemessen am Eigenkapitalwert ist es die bislang größte Übernahme in der Technologiebranche. Nur die Fusion der beiden Unternehmen von Elon Musk, SpaceX und xAI, hatte ein noch größeres Volumen.

Lumentum stellt Laser und andere optische Komponenten her, die enorme Datenmengen übertragen. Die sogenannte Photonik übermittelt Informationen mithilfe von Licht statt über Kupferleitungen. Das ist schneller und energieeffizienter.

Unternehmen setzen zunehmend auf solche optischen Verbindungen, um die Chips für große Sprachmodelle miteinander zu vernetzen. Marvell bezieht bereits Laser von Lumentum und hat Anfang dieses Jahres den Photonik-Spezialisten Celestial AI übernommen. Auch Nvidia setzt auf die Technik und kündigte im März eine Beteiligung an Lumentum im Wert von 2 Milliarden Dollar an.

Matt Murphy, Verwaltungsratschef und CEO von Marvell, sieht darin eine außergewöhnliche Gelegenheit. Die Architektur der KI-Infrastruktur verändere sich grundlegend hin zu optischen Verbindungen. Eine solche Chance biete sich nur einmal pro Generation, erklärte Murphy.

Entscheidend sei dabei das Tempo. Wer früh handle und den Wandel mitgestalte, werde die Standards für die kommenden Jahrzehnte setzen, so Murphy.

Wall Street zweifelt an der Übernahme

Dennoch verlieren beide Aktien heute deutlich. Marvell notiert mehr als 5 Prozent im Minus, Lumentum büßt sogar über 10 Prozent ein. Das sind erhebliche Verluste für zwei Titel, deren Kurse sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt haben: Lumentum legte um 128 Prozent zu, Marvell um 131 Prozent.

Für Marvell-Aktionäre ist vor allem die Finanzierung problematisch. Das Unternehmen bezahlt mit neu ausgegebenen eigenen Aktien. Dadurch sinkt der Anteil der bisherigen Aktionäre nach der Übernahme auf 67 Prozent. Ein Drittel der künftigen Gewinne entfällt damit auf die neuen Anteilseigner.

Die Lumentum-Aktionäre erhalten keinen festen Geldbetrag, sondern 4,5 Marvell-Aktien je Anteilsschein. Der Wert des Angebots hängt somit unmittelbar vom Marvell-Kurs ab. Auf Basis der Schlusskurse vom Freitag entsprach das rund 85 Milliarden Dollar und damit einem Aufschlag von etwa 12 Prozent auf den Börsenwert von Lumentum.

Durch den Kursrückgang bei Marvell ist das Angebot inzwischen nur noch rund 81 Milliarden Dollar wert. Die Übernahmeprämie für Lumentum-Aktionäre hat sich damit innerhalb eines Tages auf etwa 6 Prozent halbiert.

Lumentum selbst kommt nach dem Kurssturz auf einen Börsenwert von rund 68 Milliarden Dollar. Das liegt gut 15 Prozent unter dem Wert des Marvell-Angebots. Anleger verkaufen also lieber jetzt, statt auf den Vollzug der Übernahme zu warten. Das deutet auf Zweifel hin, ob das Angebot Bestand hat.

Bis zum Abschluss dürfte zudem viel Zeit vergehen. Die Unternehmen rechnen damit erst in der ersten Hälfte des Jahres 2028. An der Wall Street gibt es schon länger Zweifel daran, wie lange Technologiekonzerne ihre milliardenschweren Ausgaben für KI-Infrastruktur aufrechterhalten können. Fällt die Marvell-Aktie um weitere rund 6 Prozent, wäre die Übernahmeprämie vollständig aufgezehrt.

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