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China kauft seit fast zwei Jahren ununterbrochen Gold. Im vergangenen Monat erhöhte die Zentralbank ihre Käufe jedoch deutlich: Sie erwarb rund 23 Tonnen – so viel wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Dabei fiel der Goldpreis deutlich.
Warum will Peking so viel Gold in den eigenen Tresoren halten?
Das geht aus Zahlen hervor, die die chinesische Zentralbank People’s Bank of China (PBOC) vergangene Woche veröffentlichte. Im August hatte sie rund 20 Tonnen gekauft und damit bereits den höchsten Wert seit fast drei Jahren erreicht.
Peking stockt seine Goldreserven damit den 23. Monat in Folge auf. Es ist die längste Kaufserie seit mindestens 2015. Bei einem Preis von rund 4.176 Dollar je Feinunze (gut 31 Gramm) beliefen sich allein die Käufe im September auf etwa 3,1 Milliarden Dollar.
China verfügt inzwischen über rund 2.410 Tonnen Gold und besitzt damit die fünftgrößten Goldreserven weltweit. Die Vereinigten Staaten halten weiterhin mehr als dreimal so viel.
Gold ist inzwischen deutlich günstiger als zu Jahresbeginn. Im Januar erreichte das Edelmetall noch einen Rekordpreis von über 5.500 Dollar. Seitdem hat es fast ein Viertel seines Wertes verloren.

Allein im September fiel der Preis um gut acht Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve erhöhte in diesem Monat erstmals seit 2023 die Zinsen, um die Inflation einzudämmen.
Für den Goldpreis ist vor allem die reale Rendite von US-Staatsanleihen entscheidend, also der Ertrag nach Abzug der Inflation. Sie erreichte im September den höchsten Stand seit 2008.
Seit Beginn des Krieges mit Iran im März stieg sie von 1,9 auf 2,65 Prozent. Angesichts der hohen Energiepreise ist ungewiss, wie weit die Fed die Zinsen noch anheben wird. Für dieses Risiko verlangen Anleger einen Zinsaufschlag.
Hinzu kommt, dass die USA zur Finanzierung des Krieges weitere Schulden aufnehmen müssen – zusätzlich zur ohnehin enormen Staatsverschuldung. Je höher die Zinserträge anderer Anlagen ausfallen, desto weniger attraktiv wird Gold.
Zentralbanken suchen allerdings nicht nach Rendite, sondern nach Sicherheit. Sie kaufen mit einem langfristigen Anlagehorizont und achten deutlich weniger auf den Preis.
Tatsächlich könnte China noch deutlich mehr Gold kaufen, als offiziell bekannt ist. Carsten Menke, Analyst bei Julius Bär, schätzt die Käufe bis Ende August auf rund 190 Tonnen. Davon seien 110 Tonnen nicht gemeldet worden.
Offiziell beliefen sich die Käufe demnach auf rund 80 Tonnen. Menkes Schätzung lässt sich nicht überprüfen, die Differenz ist jedoch erheblich: Alle Zentralbanken zusammen kauften nach Angaben des World Gold Council (WGC) in diesem Zeitraum netto rund 171 Tonnen.
Der wichtigste Grund ist laut Menke politischer Natur. Er verweist auf den Einsatz des US-Dollars als politisches Druckmittel und den damit verbundenen Wunsch, bei den Währungsreserven weniger von US-Staatsanleihen abhängig zu sein.
Mit US-Staatsanleihen leihen Anleger der amerikanischen Regierung Geld. Zentralbanken legen ihre Reserven gern darin an, weil die Papiere als sicher gelten und sich leicht handeln lassen.
Diese Sicherheit hat allerdings eine Kehrseite. Wie Bankguthaben sind auch die Anleihen Teil des westlichen Finanzsystems und können deshalb gesperrt werden.
Genau das geschah 2022 mit Russland. Nach dem Einmarsch in die Ukraine froren westliche Länder rund 300 Milliarden Dollar an Reserven der russischen Zentralbank ein – etwa die Hälfte des Gesamtbestands.
Gold im eigenen Tresor lässt sich dagegen nicht von außen sperren. Auch deshalb hat China seine Bestände an US-Staatsanleihen reduziert. Im Juli lagen sie bei 618 Milliarden Dollar, dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren.
Aus demselben Grund wird Bitcoin (BTC) häufig als digitales Gold bezeichnet. Das Netzwerk ist zensurresistent: Niemand kann Coins in einer selbst verwalteten Wallet sperren.
Neben der Zentralbank kaufen auch Privathaushalte und Unternehmen Gold. China importierte in den ersten acht Monaten 2026 mehr als 1.000 Tonnen im Rekordwert von 158,8 Milliarden Dollar.
Im gesamten Jahr 2025 waren es noch 886 Tonnen im Wert von 96,5 Milliarden Dollar gewesen. Aus Sorge um die schwächelnde Wirtschaft kaufen die Chinesen vor allem Schmuck, Barren und Coins.
Der Immobilienmarkt steckt seit Jahren in einer Krise. Der chinesische Aktienindex CSI 300 liegt in diesem Jahr rund acht Prozent im Minus, während der amerikanische S&P 500 um 13 Prozent zulegte.
Auch Sparanlagen werfen wenig ab. Eine chinesische Staatsanleihe mit einjähriger Laufzeit bringt rund 1,2 Prozent Zinsen, gegenüber 4,46 Prozent in den USA.
Wer Gold hält, verzichtet in China auf deutlich geringere Zinserträge als in vielen westlichen Märkten, erläutert Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank.
Laut Manthey sind die chinesischen Käufe inzwischen eine wichtige strukturelle Stütze für den Goldpreis.
Aakash Doshi, Leiter der Goldstrategie bei State Street Investment Management, erwartet für Ende März 2027 einen Goldpreis zwischen 4.750 und 5.500 Dollar. Das wären 14 bis 32 Prozent mehr als der aktuelle Preis von 4.175 Dollar.
Laut Hansen könnte die chinesische Nachfrage nachlassen, wenn sich der Immobilien- und der Aktienmarkt erholen oder Sparanlagen wieder höhere Erträge bieten.
Eine grundlegende Trendwende erwartet er erst, wenn die geopolitischen Spannungen abnehmen und die Zentralbanken ihre Reserven nicht mehr weiter diversifizieren. Damit rechnet er allerdings nicht in absehbarer Zeit.
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