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Der Kryptomarkt ist stark unter Druck geraten. Auslöser sind die höher als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten aus den USA. Der Markt rechnet deshalb nun mit einer strafferen Geldpolitik.

Doch gilt Bitcoin nicht gerade als Inflationsschutz? Für den heftigen Kursrückgang gibt es zudem noch einen weiteren Grund.

Zinserhöhung wieder im Gespräch

Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) hat gestern um 14:30 Uhr die Finanzmärkte enttäuscht. Die Preise der im Warenkorb erfassten Güter und Dienstleistungen stiegen im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Erwartet worden waren 3,6 Prozent.

Ein wesentlicher Inflationstreiber sind die Kraftstoffpreise. Öl kostet schon seit einiger Zeit mehr als 100 Dollar je Barrel. Das schlägt sich unmittelbar in den Benzin- und Energiepreisen nieder, die ebenfalls in den Warenkorb einfließen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) achtet jedoch vor allem darauf, ob die höheren Ölpreise auch andere Bereiche der Wirtschaft erfassen, etwa durch teurere Flugtickets, höhere Transportkosten und steigende Warenpreise im Einzelhandel.

Darüber gibt die Kerninflation Aufschluss. Sie klammert die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise aus und zeigt damit, ob sich der Preisdruck in der Breite verfestigt. Auch hier lag der Wert um 0,1 Prozentpunkte über den Erwartungen: Die Kerninflation betrug 2,6 Prozent.

Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch in diesem Monat derzeit mit 31,6 Prozent eingepreist. Zuvor waren es weniger als 18 Prozent. Für die letzte Sitzung des Jahres gilt ein Zinsschritt inzwischen offenbar als nahezu sicher.

Bitcoin, Aktien und Edelmetalle gerieten unmittelbar unter Druck. Höhere Zinsen entziehen den Märkten Liquidität und können Anleihen attraktiver machen. Letzteres ist derzeit allerdings nicht der Fall: Sowohl die kurz- als auch die langfristigen Anleiherenditen sind gesunken.

Möglicherweise fürchten Anleger, dass eine straffere Geldpolitik die Wirtschaft zu stark abbremst. Am Arbeitsmarkt mehren sich die Schwächesignale.

Obwohl damit die Opportunitätskosten einer Bitcoin-Anlage etwas sinken, ziehen sich Anleger dennoch aus risikoreichen Anlagen zurück.

Weil die Menge auf maximal 21 Millionen Bitcoin begrenzt ist, wird die Kryptowährung auch als digitales Gold bezeichnet. Doch eine höhere Inflation belastet beide Anlageklassen, solange die Notenbank mit höheren Zinsen dagegenhält. Die enorme Staatsverschuldung setzt diesem Kurs allerdings Grenzen.

Besonders an den asiatischen Aktienmärkten gibt es derzeit massive Verluste. Doch auch die Wall Street verzeichnet inzwischen den zweiten Handelstag in Folge ein deutliches Minus.

Heute um 14:30 Uhr steht mit dem Erzeugerpreisindex (PPI) der nächste wichtige Inflationstest an. Mit der Newsbit-App erhalten Sie eine Benachrichtigung, sobald die Zahlen vorliegen.

Zwangsverkäufe verschärfen den Kursrückgang

Heute Morgen fiel Bitcoin auf 80.200 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit knapp einem Monat. Innerhalb eines halben Tages verlor der Kurs damit mehr als vier Prozent.

Bitcoin nach gestrigen US-Inflationsdaten weiter unter Druck
Bitcoin nach gestrigen US-Inflationsdaten weiter unter Druck. – Quelle: TradingView

Zahlreiche Zwangsverkäufe gehebelter Positionen haben den Rückgang beschleunigt. Daten von CoinGlass zufolge wurden innerhalb der vergangenen 24 Stunden Long-Positionen im Wert von fast 900 Millionen Dollar liquidiert.

Mit einer Long-Position setzen Händler auf steigende Kurse. Viele nutzen dafür geliehenes Geld und handeln damit auf Hebel. Bei einem zehnfachen Hebel lassen sich mit 1.000 Dollar Eigenkapital Bitcoin im Wert von 10.000 Dollar kaufen.

Fällt der Kurs um etwa zehn Prozent, ist das eingesetzte Eigenkapital aufgebraucht. Die Börse schließt die Position dann zwangsweise, um das geliehene Kapital zu schützen. Dieser Vorgang wird als Liquidation bezeichnet.

Solche Zwangsverkäufe bringen zusätzliche Bitcoin auf den Markt und drücken den Kurs weiter. Dadurch erreichen weitere gehebelte Positionen ihre Liquidationsschwelle und werden ebenfalls geschlossen. Diese Kettenreaktion wird als Long-Squeeze bezeichnet und kann den Kursrückgang erheblich beschleunigen.

Nach Einschätzung des Traders CryptoGoos wurden durch den Kurseinbruch inzwischen die meisten Long-Positionen mit Liquidationsschwellen unterhalb des Kurses aufgelöst. Die größten Häufungen potenzieller Liquidationen liegen demnach nun oberhalb des aktuellen Kurses: Dort wären Händler betroffen, die auf weiter fallende Kurse gesetzt haben.

Steigt Bitcoin in Richtung dieser Marken, müssen diese Händler ihre Positionen durch Rückkäufe schließen. Das könnte den Kurs zusätzlich stützen.

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