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Die Kryptobörse Binance hat am Sonntag Auszahlungen von Kryptowährungen wieder aufgenommen. Gut zwei Tage zuvor waren bei einem massiven Hackerangriff 6,3 Milliarden Dollar gestohlen worden.

Kunden können ihre Kryptowährungen wieder abziehen und nutzen diese Möglichkeit rege. Seit der Wiederaufnahme der Auszahlungen sind bereits 2,5 Milliarden Dollar von der Plattform abgeflossen. Das wirft Fragen zum Vertrauen in die weltweit größte Kryptobörse auf.

Binance gibt Krypto-Auszahlungen wieder frei

Binance begann am Sonntagnachmittag, Auszahlungen wieder freizugeben. Zunächst konnten Kunden wieder Bitcoin (BTC) abziehen. Später folgten weitere große Kryptowährungen, darunter Ethereum (ETH), XRP sowie die Stablecoins USDT und USDC.

Die Kryptobörse schaltet Auszahlungen schrittweise frei. Nach Angaben von Binance müssen zunächst die Sicherheitsprüfungen für jede Kryptowährung und jedes Netzwerk abgeschlossen sein.

Gegen 12.30 Uhr deutscher Zeit waren Auszahlungen über zwölf Blockchain-Netzwerke wieder möglich, darunter Ethereum, BNB Smart Chain, XRP Ledger und Base.

Damit endet allmählich die Unsicherheit für Kunden, die seit Donnerstag nicht mehr auf ihre Kryptobestände zugreifen konnten.

Die Wiederaufnahme der Auszahlungen bedeutet allerdings nicht, dass alle Probleme gelöst sind. Nach Daten von DefiLlama sind seither bereits rund 2,5 Milliarden Dollar von Binance abgeflossen.

Dieser Betrag muss nicht ausschließlich auf Kunden zurückgehen, die der Börse dauerhaft den Rücken kehren. Er zeigt jedoch, dass viele Nutzer ihre Guthaben unmittelbar nach der Freigabe der Auszahlungen transferiert haben.

Binance verwaltet laut DefiLlama Kryptowerte im Umfang von rund 134 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Beim Konkurrenten OKX sind es etwa 29 Milliarden Dollar.

Binance hat inzwischen 95 Prozent des Schadens ausgeglichen

Unterdessen arbeitet Binance daran, den finanziellen Schaden auszugleichen.

Am Samstag teilte die Börse mit, dass 90 Prozent der betroffenen Kundenguthaben wieder gedeckt seien. Laut einer neuen Mitteilung vom Sonntag ist dieser Anteil inzwischen auf rund 95 Prozent gestiegen.

Bei großen Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und BNB verfügt Binance nach eigenen Angaben inzwischen wieder über ausreichende Reserven, um sämtliche Kundenguthaben zu decken.

Die verbleibenden fünf Prozent entfallen vor allem auf kleinere Kryptowährungen, die sich schwerer in großen Mengen kaufen lassen. Binance versucht, diese Coins am Markt und über direkte Geschäfte mit großen Marktteilnehmern zu beschaffen.

Dafür setzt das Unternehmen eigene Reserven und Mittel aus Versicherungsfonds ein. Binance betont, dass die Kunden nicht für die Verluste aufkommen müssen.

Wie hoch der Schaden für die Börse letztlich ausfällt, steht noch nicht fest. Zuvor waren mit Unterstützung anderer Akteure gestohlene Kryptowerte im Wert von rund drei Milliarden Dollar eingefroren worden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Gelder bereits sichergestellt und zurückgegeben wurden.

Binance hat zudem eine neue Bestandsaufnahme im Rahmen seines Reservenachweises (Proof of Reserves) veröffentlicht. Sie soll zeigen, welche Kryptobestände die Börse im Verhältnis zu den Kundenguthaben hält. Die vollständige kryptografische Überprüfung wird am 3. November erwartet.

FBI macht Nordkorea für Hackerangriff verantwortlich

Während Binance den Betrieb wiederherstellt, liefert die Untersuchung des Hackerangriffs weitere Erkenntnisse.

Die US-Bundespolizei FBI hat am Samstag Nordkorea offiziell für den Angriff verantwortlich gemacht. Nach Angaben der Behörde steckt die Hackergruppe TraderTraitor hinter dem Diebstahl.

Dieselbe Gruppe wird auch für den Hackerangriff auf die Kryptobörse Bybit im Februar 2025 verantwortlich gemacht, bei dem rund 1,5 Milliarden Dollar gestohlen wurden. Die Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs, Chainalysis und Elliptic hatten zuvor bereits auf Nordkorea als mutmaßlichen Urheber hingewiesen.

Nach Angaben des FBI tauschten die Hacker einen Großteil der gestohlenen Kryptowährungen in Ethereum um. Anschließend versuchen sie, die Gelder über verschiedene Kryptodienste zu verschieben, um ihre Herkunft zu verschleiern.

Wie sich die Angreifer genau Zugang zu Binance verschafften, ist noch ungeklärt. Zunächst stand der Verdacht im Raum, dass der Laptop eines Mitarbeiters gehackt worden war. Inzwischen hat die Börse nach eigenen Angaben jedoch weitere mögliche Zugangswege entdeckt.

Binance hat bislang keine Hinweise darauf gefunden, dass private Schlüssel für Krypto-Wallets entwendet wurden.

Auch die Sicherheitsvorkehrungen der Börse stehen auf dem Prüfstand. Mitgründerin und Co-Chefin Yi He räumte ein, dass Binance früher mehr in den Schutz seiner Systeme hätte investieren müssen. Sie kündigte an, das Unternehmen werde künftig nicht mehr daran sparen.

Unterdessen bleibt auch der Bitcoin-Kurs unter Druck. BTC wurde am Sonntag bei rund 78.000 Dollar gehandelt, etwa fünf Prozent unter dem Höchststand vom Donnerstag unmittelbar vor dem Angriff.

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