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Ein schwerer Finanzskandal hat Paraguays Präsidenten gestern das Amt gekostet. Eine Bank, mit der er geschäftlich verbunden war, brach zusammen. Damit verlor fast die Hälfte der Bevölkerung den Zugang zu ihrem Geld.

Besonders brisant: An der Spitze der Aufsichtsbehörde, die das hätte verhindern sollen, stand ein früherer Chef derselben Bank.

Bankpleite trifft fast die Hälfte Paraguays

Es geht um Ueno. Das Institut entwickelte sich von einem Kreditgeber auf einem Markt in der Hauptstadt Asunción zu einer beliebten Banking-App. Ende Oktober zählte Ueno rund 2,9 Millionen Kunden.

Bei 6,5 Millionen Einwohnern entspricht das fast 45 Prozent der Bevölkerung. Zudem verwaltete die Bank mehr als 800 Millionen Dollar an staatlichen Geldern, darunter rund zehn Prozent des Vermögens eines öffentlichen Pensionsfonds.

Am Dienstag griff die Zentralbank ein und schloss Ueno. Die Eigenkapitalausstattung der Bank lag nur noch bei weniger als der Hälfte des vorgeschriebenen Niveaus. Dieses Kapital dient dazu, Verluste aufzufangen.

Seitdem können Kunden weder Geld abheben noch mit ihrer Karte bezahlen – auch nicht für Lebensmittel. Die Haushaltshilfe Benicia Sosa berichtete der New York Times, sie habe am Dienstagmorgen plötzlich ohne Zugriff auf ihr Geld dagestanden, ohne einen einzigen Peso.

Uenos Kapitalpolster schrumpfte, weil die Bank Spareinlagen als Kredite an Unternehmen aus dem Umfeld ihrer eigenen Führung vergab. Berichten vom Oktober zufolge ging es um rund 150 Millionen Dollar. Die Zentralbank hatte bereits im Juni vor dieser Praxis gewarnt.

Danach beschleunigte sich die Krise. Ausländische Anleger stießen Ueno-Anleihen ab. Ende Oktober wollte die Bank noch 100 Millionen Dollar frisches Kapital aufnehmen, doch der Zusammenbruch ließ sich nicht mehr verhindern.

Paraguays Präsident stürzt über Bankenpleite

Ueno gehört zur Vázquez Group, einem Konglomerat, an dem Präsident Santiago Peña als Teilhaber beteiligt war. Im vergangenen Jahr erklärte Peña, er habe seine Anteile an einem verbundenen Unternehmen verkauft. Rechtswidriges sei dabei nicht geschehen.

Die Verbindungen gingen jedoch weiter. Kurz nach seinem Amtsantritt 2023 ernannte Peña den früheren Ueno-Präsidenten Carlos Carvallo zum Chef der Zentralbank, die auch für die Bankenaufsicht zuständig ist. Wenige Monate später erhielt Ueno eine Vollbanklizenz.

Damit beaufsichtigte Carvallo seinen früheren Arbeitgeber. Diese Woche trat er zurück. Acht Ueno-Führungskräfte sitzen unter anderem wegen des Verdachts auf Untreue in Haft.

Den entscheidenden Rückhalt verlor Peña gestern, als ihm seine eigene Colorado-Partei die Unterstützung entzog. Nach Angaben des Politikwissenschaftlers Miguel Carter stritt Peña schon länger mit Parteichef und Ex-Präsident Horacio Cartes darüber, wer die Partei 2028 als Spitzenkandidat führen soll.

Kurz darauf kündigte Peña in einem Video seinen Rücktritt an. Der 47-jährige Ökonom bat die Bevölkerung um Entschuldigung, sollte er sie enttäuscht haben. Ausdrücklich Verantwortung übernahm er nicht.

Senat entscheidet über Amtsenthebung

Der Rücktritt stoppte das Amtsenthebungsverfahren nicht. Das Abgeordnetenhaus stimmte gestern einstimmig dafür, das politische Verfahren zur Absetzung des Präsidenten einzuleiten.

Auch die Anleger reagierten verunsichert: Paraguays Staatsanleihen verloren deutlich an Wert. Dabei hatte sich das Land gerade erst einen Ruf als stabiler Standort für ausländisches Kapital erarbeitet.

Spareinlagen sind bis zu umgerechnet 38.000 Dollar pro Person abgesichert. Damit sind 97 Prozent aller Guthaben gedeckt. Wann die Gelder ausgezahlt werden, ist allerdings noch unklar.

Der Senat muss den Rücktritt noch bestätigen und entscheidet auch über die Amtsenthebung. Die Nachfolge Peñas übernimmt Vizepräsident Pedro Alliana, gegen den das Abgeordnetenhaus kein Amtsenthebungsverfahren unterstützte. Ein solches Verfahren könnte seine Vereidigung allerdings verzögern.

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