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Anthropic senkt die Preise für seinen KI-Assistenten Claude immer weiter. Die Kosten für die dahinterstehende Rechenleistung wachsen jedoch schneller als der Umsatz. Das geht aus Zahlen hervor, die das KI-Unternehmen diese Woche im Vorfeld seines Börsengangs veröffentlicht hat. Unter dem Strich stand im vergangenen Quartal ein Verlust.

Anthropics Rechenkosten wachsen schneller als der Umsatz

Laut einer aktualisierten Einreichung bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) stiegen die Kosten für Rechenleistung und Infrastruktur im dritten Quartal um rund 77 Prozent von 5,56 auf 9,86 Milliarden Dollar.

Damit entfielen auf jeden Dollar Umsatz etwa 58 Cent für Rechenleistung, nach 48 Cent im Vorquartal. Daraus ergibt sich ein Umsatz von rund 17 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von etwa 47 Prozent, doch die Kosten stiegen noch stärker.

Dieser Kostenblock umfasst auch Forschung und Training. Daraus lässt sich also keine Gewinnmarge je Claude-Anfrage ableiten. Allerdings kaufte Anthropic Rechenleistung im Wert von rund 5 Milliarden Dollar über kurzfristige Verträge ein, die deutlich teurer sind als mehrjährige Vereinbarungen.

Dadurch wurde aus einem operativen Gewinn von 974 Millionen Dollar ein Verlust von 567 Millionen Dollar.

Claude wird günstiger, die Rechenkosten steigen

Auch die Preissenkungen belasten die Geschäftszahlen. Mit Opus 5.5 kostet die Bearbeitung einer Aufgabe laut Anthropic rund 40 Prozent weniger als mit Opus 5. Fable 5.1 senkt die Kosten für ein durchschnittliches Arbeitspensum um etwa 25 Prozent.

Der Einreichung zufolge wurde das Wachstum durch die stärkere Nutzung teilweise durch Umsatzeinbußen von rund 600 Millionen Dollar aufgezehrt. Grund dafür waren Preissenkungen im Zuge neuer Modellversionen sowie vertraglich vereinbarte Rabatte.

Dieses zusätzliche Umsatzpotenzial konnte Anthropic also nicht ausschöpfen. Die Preissenkungen haben zwei gegenläufige Effekte: Günstigere Modelle führen nach Angaben des Unternehmens zu einer stärkeren Nutzung, doch jede Anfrage bringt weniger ein. Das rechnet sich nur, wenn die Kosten je Anfrage schneller sinken als der Preis.

Preiserhöhungen sind allerdings kein einfacher Ausweg. Konkurrent OpenAI, der ebenfalls an die Börse will, bietet höhere Nutzungslimits.

Auch die Fixkosten belasten das Unternehmen stark. Anthropic ist Verpflichtungen von rund 895 Milliarden Dollar eingegangen, fast ausschließlich für Rechenleistung, die das Unternehmen 12 bis 18 Monate im Voraus reserviert.

Beim aktuellen Umsatztempo von rund 68 Milliarden Dollar pro Jahr entspricht das mehr als 13 Jahresumsätzen. Die Verpflichtungen verteilen sich zwar auf mehrere Jahre, zeigen aber das Ausmaß des finanziellen Risikos.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, wirft die Einreichung Fragen auf, ob die Betreiber den Bau dieser Rechenzentren finanzieren können. Das betrifft auch Google, Amazon und Nvidia, denn Claude nutzt deren Chips und Cloudkapazitäten.

Bewährungsprobe für KI-Investments

Anleger sorgen sich schon länger über die Hunderten Milliarden Dollar, die Technologiekonzerne in Rechenzentren investieren. Diese bringen zwar zusätzliche Umsätze, doch die Ausgaben wachsen schneller.

Dadurch ist der freie Cashflow, also der nach Investitionen verbleibende Mittelzufluss, inzwischen selbst bei hochprofitablen Konzernen wie Amazon, Alphabet und Meta negativ. Anthropic ist noch anfälliger, weil das Unternehmen ausschließlich mit Claude Geld verdient.

Zugleich ist das Unternehmen ein wichtiger Kunde jener Chip- und Cloudanbieter, auf die Anleger setzen. Bekommt Anthropic die Rechenkosten nicht in den Griff, stellt sich die Frage, wer für einen rentablen Betrieb all dieser Rechenzentren sorgen soll.

Der Börsengang an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT wird damit zum Gradmesser für den gesamten KI-Sektor. Die Politik erschwert die Lage zusätzlich.

Am Dienstag gewannen die Demokraten die Mehrheit im Kongress. Daraufhin brachen die Aktien von Rechenzentrumsbetreibern aus Sorge vor strengeren Bauvorschriften ein. Präsident Donald Trump behält allerdings sein Vetorecht. Entsprechende Gesetze lassen sich daher nicht ohne Weiteres durchsetzen.

Für Anthropic wäre ein langsamerer Ausbau eine zusätzliche Belastung. Weniger neue Kapazitäten verknappen und verteuern die Rechenleistung. Das haben die teuren kurzfristigen Verträge im vergangenen Quartal bereits gezeigt.

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