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Der geplante Börsengang von Anthropic, dem Unternehmen hinter dem KI-Chatbot Claude, gerät nach dem massiven Kurseinbruch an der Wall Street unter Druck. Investoren setzen den Wert des Unternehmens inzwischen Hunderte Milliarden Dollar niedriger an als noch vor wenigen Wochen.

Die Turbulenzen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Anthropic will in Kürze offiziell um Investoren für seinen Börsengang werben.

Anthropics Bewertung sinkt um Hunderte Milliarden Dollar

Anfang Oktober hielten einige Investoren für Anthropic noch eine Bewertung von zwei Billionen Dollar für möglich. Später korrigierten sie ihre Erwartungen bereits auf rund 1,4 bis 1,5 Billionen Dollar.

Nach den heftigen Kursverlusten vom Donnerstag stehen nun noch niedrigere Beträge im Raum.

Laut Bloomberg diskutieren einige potenzielle Investoren inzwischen über eine Bewertung von 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar. Das sind bis zu 800 Milliarden Dollar weniger als die höchsten Schätzungen von Anfang Oktober.

Dabei handelt es sich um Einschätzungen von Investoren, nicht um eine offizielle Bewertung. Anthropic hat noch keinen endgültigen Ausgabepreis für seine Aktien festgelegt.

Das Unternehmen will seinen geplanten Börsengang in Kürze Großinvestoren vorstellen. Doch gerade jetzt sind diese zunehmend unsicher, wie viel sie zu zahlen bereit sind.

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Börsencrash und Wahlergebnis belasten KI-Branche

Eine historische Verkaufswelle an der Wall Street verschärfte am Donnerstag die Sorgen.

Der Nasdaq 100 verlor 6,4 Prozent. Damit wurden an einem einzigen Handelstag rund 2,3 Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet. Besonders stark traf es Chipkonzerne und andere Unternehmen, die von den enormen Investitionen in künstliche Intelligenz profitieren.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wahlsieg der Demokraten. Die Partei errang am Dienstag die Mehrheit im US-Kongress. Anleger rechnen deshalb mit strengeren Vorschriften für die KI-Branche.

Vor allem der Bau neuer Rechenzentren steht in der Kritik. Die Anlagen verbrauchen enorme Mengen an Strom und Wasser. Zugleich sorgen sich immer mehr Amerikaner um die Auswirkungen auf ihr Lebensumfeld.

Wird der Ausbau der Rechenzentren gebremst, könnte das die Wachstumsaussichten von KI-Unternehmen beeinträchtigen.

Diese Unsicherheit trifft auch Anthropic. Das Unternehmen wächst mit seinem Chatbot Claude rasant, muss aber zugleich enorme Summen in Rechenkapazitäten investieren, um seine KI-Modelle weiterzuentwickeln.

Der jüngste Börsencrash lässt Anleger die hohen Bewertungen solcher Unternehmen vorsichtiger beurteilen.

Ist Anthropics Börsengang in Gefahr?

Anthropic will voraussichtlich in der kommenden Woche damit beginnen, seine Aktien offiziell Großinvestoren anzubieten. Angesichts der Turbulenzen an der Wall Street ist jedoch ungewiss, ob das Unternehmen die angestrebte Bewertung erreichen kann.

Nach Einschätzung von Stephan Kemper von BNP Paribas Wealth Management muss sich Anthropic möglicherweise mit einer Bewertung begnügen, die zehn bis fünfzehn Prozent unter den zuvor genannten Beträgen liegt.

David Rainville von Sycomore Asset Management erwartet, dass eine Bewertung von 1,2 Billionen Dollar genügend Käufer anziehen könnte. Max Kettner von HSBC hält sogar eine Billion Dollar für den vernünftigeren Ausgangspunkt, um starke Kursschwankungen nach dem Börsengang zu vermeiden.

Anthropic könnte zunächst weniger Aktien zu einem niedrigeren Preis anbieten. Bei ausreichend großer Nachfrage könnte das Unternehmen das Emissionsvolumen anschließend noch erhöhen.

Auch eine Verschiebung ist möglich. Anthropic könnte abwarten, bis sich die Lage an der Wall Street beruhigt und Anleger wieder mehr Vertrauen in KI-Aktien fassen.

Dass Vorsicht angebracht sein kann, zeigen frühere Börsengänge. Der Chiphersteller Cerebras und das Softwareunternehmen Figma verkauften bei ihren Börsendebüts mehr Aktien als ursprünglich geplant. Dennoch notieren beide Titel inzwischen deutlich unter ihrem Ausgabepreis.

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