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Der Boom der künstlichen Intelligenz beschert Technologieunternehmen Milliardeneinnahmen, bringt aber auch neue Gefahren mit sich. Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude, gab im vergangenen Jahr Millionen Dollar für den Schutz seines Vorstandschefs Dario Amodei aus. Die Summe ist mehr als viermal so hoch wie sein Grundgehalt. Gegenüber den Ausgaben von Meta für den Schutz von Mark Zuckerberg fällt sie allerdings gering aus.
Anthropic gab 2025 insgesamt 2,75 Millionen Dollar für den Personenschutz von Amodei aus. Das geht aus Unterlagen hervor, die das Unternehmen im Zusammenhang mit seinem geplanten Börsengang veröffentlicht hat.
Gemessen an seinem Grundgehalt von 654.167 Dollar ist das eine bemerkenswert hohe Summe. Einschließlich Aktien und Optionen belief sich seine Gesamtvergütung im vergangenen Jahr allerdings auf fast 18 Millionen Dollar. Die Sicherheitsausgaben entsprachen damit gut 15 Prozent seiner Gesamtvergütung.
Auch seine Schwester Daniela Amodei, Mitgründerin und Präsidentin von Anthropic, wird umfassend geschützt. Das Unternehmen gab 1,29 Millionen Dollar für ihren Personenschutz, die Sicherung ihres Wohnhauses und ihre Beförderung aus.
Darüber hinaus zahlte Anthropic weitere 97.055 Dollar für Privatflüge von Dario Amodei. Nach Angaben des Unternehmens waren diese Reisen aus Sicherheitsgründen notwendig.
Die Maßnahmen haben einen konkreten Hintergrund. Seit 2024 sorgt Anthropic für Schutz rund um die Uhr. Das Führungsgremium beschloss 2025, die Vorkehrungen angesichts zunehmender Bedrohungen und der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit für KI weiter auszubauen.
Die Sicherheitsrisiken für Führungskräfte von KI-Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten zunehmend konkretisiert. Im April gelangte ein Mann in die Büroräume von Anthropic in San Francisco. Gegenüber einem Sicherheitsmitarbeiter kündigte er an, ein hochrangiger Manager werde ermordet.
Im selben Monat soll ein anderer Mann im Internet damit gedroht haben, den Kindern von Beschäftigten etwas anzutun. Zudem erhielt Anthropic eine Drohung eines unzufriedenen Kunden, der ankündigte, mit einer Pistole ins Büro zu kommen.
Im August wurde Amodei persönlich bedroht. Ein Claude-Nutzer behauptete, ein AR-15-Gewehr gekauft zu haben und es auf den Unternehmenschef abgesehen zu haben. Anthropic schaltete die Polizei ein und sperrte das Konto. Der Mann erklärte später, es habe sich um einen Scherz gehandelt.
Auch OpenAI-Chef Sam Altman war von Gewalt betroffen. Im April wurde ein Mann angeklagt, der einen Molotowcocktail auf Altmans Wohnhaus geworfen haben soll. Anschließend soll er am Hauptsitz von OpenAI damit gedroht haben, das Gebäude in Brand zu setzen.
Eine Untersuchung des Sicherheitsunternehmens Liferaft zeigt, wie schnell sich die Lage verschärft. Demnach hat sich die Zahl der im Internet ausgesprochenen Drohungen gegen KI-Manager und Rechenzentren zwischen Ende Februar und Mai 2026 versiebenfacht.
Anthropic gibt zwar Millionen für Sicherheitsmaßnahmen aus, bei anderen Technologieunternehmen liegen die Kosten jedoch noch deutlich höher.
Meta gab 2025 rund 8,5 Millionen Dollar unmittelbar für den Schutz von Mark Zuckerberg aus. Hinzu kam ein jährliches Sicherheitsbudget von 14 Millionen Dollar für ihn und seine Familie.
Einschließlich Privatflügen beliefen sich die Gesamtkosten auf rund 25,1 Millionen Dollar. Das ist mehr als das Achtfache dessen, was Anthropic für Amodeis Schutz und sicherheitsbedingte Flüge ausgab.
Auch für den Schutz anderer prominenter Unternehmenschefs fließen Millionenbeträge. Alphabet gab 8,8 Millionen Dollar für die Sicherheit von Google-Chef Sundar Pichai aus. Tesla zahlte rund 4,8 Millionen Dollar an ein Sicherheitsunternehmen von Elon Musk. Nvidia gab fast 4 Millionen Dollar für den Schutz von Jensen Huang aus.
Diese Summen liegen weit über dem Durchschnitt der US-Wirtschaft. Nach Berechnungen des Analysehauses ISS-Corporate weisen große börsennotierte Unternehmen üblicherweise rund 93.818 Dollar pro Jahr für den Schutz ihres Vorstandschefs aus.
Zudem finanzieren immer mehr Unternehmen Sicherheitsmaßnahmen für ihre Führungskräfte. Im Jahr 2021 boten 13,4 Prozent der Unternehmen im S&P 500 entsprechende Leistungen an. Bis 2025 stieg dieser Anteil auf 28,3 Prozent.
Anthropic hat sein Sicherheitsprogramm inzwischen weiter ausgebaut. Seit 2026 erhält auch Finanzchef Krishna Rao Personenschutz. Wie viel das Unternehmen dafür zahlt, ist nicht bekannt.
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