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SpaceX dürfte bald in wichtigen US-Aktienindizes deutlich stärker vertreten sein. Bemerkenswert ist: Der Grund ist nicht ein kräftiger Kursanstieg der Aktie.
Weil Hunderte Millionen Aktien von Mitarbeitern und anderen Beteiligten frei handelbar werden, müssen große Indexfonds ihre Position im Unternehmen von Elon Musk voraussichtlich deutlich ausbauen.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Konstellation. Während Insider die Möglichkeit erhalten, ihre Aktien zu verkaufen, könnten große passive Fonds gezwungen sein, SpaceX zu kaufen. Kurzfristig dürfte das für zusätzliche Handelsaktivität und deutliche Kursbewegungen sorgen.
Große Aktienindizes wie der Russell 1000, der Morningstar US Total Market und der MSCI USA richten sich nicht nur nach dem gesamten Börsenwert eines Unternehmens. Auch der Anteil der Aktien, der tatsächlich frei an der Börse gehandelt werden kann, spielt eine wichtige Rolle.
Gemeint ist der Streubesitz. Je größer der frei handelbare Anteil eines Unternehmens ist, desto stärker fällt eine Aktie in einem Index in der Regel ins Gewicht.
Bei SpaceX war diese Diskrepanz bislang auffallend groß. Das Unternehmen kam Ende Juli auf einen gesamten Börsenwert von rund 1,4 Billionen Dollar. Im Russell 1000 hatte SpaceX dennoch nur ein Gewicht von 0,08 Prozent.
Das entsprach in etwa Delta Air Lines, obwohl die Fluggesellschaft lediglich auf einen Börsenwert von 57 Milliarden Dollar kam.
Der Grund: Nur ein vergleichsweise kleiner Teil aller SpaceX-Aktien konnte tatsächlich frei gehandelt werden. Das ändert sich nun rasch.
Mehr als 900 Millionen SpaceX-Aktien konnten Anfang August von Personen verkauft werden, die mit dem Unternehmen verbunden sind. Das sind deutlich mehr Aktien als die 639 Millionen Stück, die kurz nach dem Börsengang frei verfügbar waren.
Bleiben andere Faktoren unverändert, könnte der um den Streubesitz bereinigte Börsenwert dadurch um den Faktor 2,43 steigen.
SpaceX würde den Berechnungen zufolge damit in die Top 100 des Russell 1000 aufrücken. Das Gewicht könnte zunächst von 0,08 auf rund 0,20 Prozent steigen. Damit läge das Unternehmen bei der Indexgewichtung in der Nähe großer US-Konzerne wie CVS Health, Pfizer und Deere & Company.
Für Anleger wird vor allem die andere Seite dieser Veränderung relevant. Fonds, die einen Aktienindex möglichst genau abbilden, müssen ihre Portfolios anpassen, sobald SpaceX ein höheres Gewicht erhält.
Das bedeutet, dass Indexfonds voraussichtlich mehr SpaceX-Aktien kaufen müssen.
Diese zusätzliche Nachfrage entsteht genau in dem Moment, in dem Mitarbeiter und andere Beteiligte mehr Spielraum erhalten, ihre Aktien zu verkaufen. Ein Teil des neuen Angebots könnte dadurch von passiven Anlegern aufgenommen werden.
Gleichzeitig entsteht eine ungewöhnliche Dynamik. Normalerweise verändert sich das Gewicht eines Unternehmens in einem marktkapitalisierungsgewichteten Index vor allem dadurch, dass der Aktienkurs steigt oder fällt. Bei SpaceX kann die Gewichtung deutlich zunehmen, ohne dass der Kurs überhaupt steigen muss.
Der Grund ist schlicht, dass ein größerer Anteil aller Aktien handelbar wird.
Bei älteren börsennotierten Unternehmen kommt eine solche Veränderung deutlich seltener vor. Viele etablierte Konzerne haben einen Streubesitz von mehr als 90 Prozent. Dadurch liegt ihr um den Streubesitz bereinigter Marktwert nahe am gesamten Börsenwert.
SpaceX weicht davon ab. Das Unternehmen wird weiterhin stark von Gründern und anderen Großaktionären kontrolliert. Deshalb kann die Freigabe großer Aktienpakete deutlich stärkere Auswirkungen auf die Position in Aktienindizes haben.
Mehrere große Fonds haben SpaceX bereits kurz nach dem Börsengang aufgenommen. Dazu zählen Fonds, die den Russell 1000, den Morningstar US Total Market und den MSCI USA abbilden. Auch der Nasdaq 100 nahm SpaceX Anfang Juli auf.
Das geschah trotz der starken Kursschwankungen nach dem Börsengang. Gerade bei großen Börsengängen können Indexanbieter entscheiden, mit der Aufnahme nicht lange zu warten. So wollen sie ein repräsentativeres Bild des Aktienmarkts liefern.
Die kommenden Neugewichtungen könnten erneut erhebliche Folgen haben.
Auf Basis des Aktienkurses von Ende Juli könnte das Gewicht von SpaceX im Russell 1000 nach der Neugewichtung am 11. Dezember auf rund 0,70 Prozent steigen. Die endgültige Größenordnung hängt unter anderem vom SpaceX-Kurs und von der Zahl der bis dahin frei handelbaren Aktien ab.
Auf die Aufnahme in den S&P 500 muss SpaceX voraussichtlich länger warten. Nach den derzeitigen Regeln kann das Unternehmen wegen einer verpflichtenden einjährigen Wartefrist frühestens im Juni 2027 aufgenommen werden. Auch die Gewinnanforderungen des Index könnten für weitere Verzögerungen sorgen.
Für Anleger in breit gestreuten Indexfonds bleibt die direkte Wirkung vorerst begrenzt. Selbst nachdem weitere SpaceX-Aktien frei werden, dürfte das Unternehmen kurzfristig weniger als ein Prozent der großen US-Marktindizes ausmachen.
Die auffällige Situation rund um SpaceX zeigt jedoch, dass passives Investieren nicht bedeutet, dass Fonds nie größere Transaktionen vornehmen müssen. Veränderungen beim frei handelbaren Aktienvolumen können Indexfonds zwingen, Positionen in Milliardenhöhe anzupassen, selbst wenn sich ein Aktienkurs kaum bewegt.
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